Nach Ellie Edler-Busch in ihrem Buch "Flötenklang".
Die von Frau Ellie Edler - Busch als Balancehaltung der Querflöte bezeichnete
Flötenhaltung bringt dem Spieler verschiedene Vorteile:
Die Finger werden weitgehend von Haltungsaufgaben befreit, wodurch sie deutlich
beweglicher werden.
Gleichzeitig wird die Flöte stabiler, die Stabilität der Flöte wird unabhängiger
davon, wieviele bzw welche Klappen gerade betätigt werden. (Wodurch z.B. auch
die typische Anfängerneigung zum Anpressen der Flöte gegen die Lippen vermindert
wird, weiterhin sich auch die Intonation des mittleren C# und seiner Nachbartöne
verbessert).
Und das Wichtigste: Das Erreichen eines fülligen, angenehmen Tons wird erleichtert.
I) Erstmal zur "normalen Haltung" der Querflöte, bei der das Mundloch in einer Linie
mit der Hauptlinie der Klappen liegt.
Zur Verdeutlichung der Grundproblematik folgender Versuch:
Halte die Flöte mit der rechten Hand in Spielposition. Lege sie zusätzlich auf den
waagerecht ausgestreckten Zeigefinger links, und zwar so, daß die Flöte auf dem
Zeigefinger rollen kann. Nun hebe nacheinander die Finger der rechten Hand hoch,
zuletzt den kl. Finger.
Resultat: Die Flöte rollt zu Dir hin.
Diese (derzeit gebräuchlichste) Einstellung der Flöte mit dem Mundloch in Peillinie
mit den Klappen hat offensichtlich ein Grundproblem:
SIE ARBEITET GEGEN DIE SCHWERKRAFT!
Dieses Grundproblem, das Arbeiten gegen die Schwerkraft, erfordert zwangsläufig
einen Ausgleich durch den Spieler:
1. durch Haltungsarbeit der Finger, insbesondere, aber nicht nur, durch den kl.
Finger rechts.
Die Haltungsarbeit der Finger macht die Finger fester, ihre Beweglichkeit wird
eingeschränkt. Weiterhin ergibt sich bei den meisten SpielerInnen eine
Beeinträchtigung der Intonation: Je mehr Finger nach oben gehen, umso mehr
Haltungshilfe der Finger entfällt. Dann geht die Intonation nach oben, am meisten
beim Cis in der zweiten Oktave. Es gibt FlötistInnen, die die Intonation des Cis und
der anderen Töne auch in der "normalen" Haltung optimal hinbekommen, ohne
Ausgleich durch Lippenveränderung oder Tieferlegen des Mundlochs etc. Viele, vor
allem weniger erfahrene SpielerInnen aber benötigen für eine gute Intonation des
Cis eine Veränderung im Ansatz. Natürlich ist dies bei schnellen Tonwechseln dann
kaum noch machbar.
2. durch Andrücken der Flöte durch den Zeigefinger links an die Lipppen. Dies
macht den Ton flacher und schränkt seine Variationsmöglichkeit ein.
Diese Nachteile können durch Üben weitgehend optimiert werden. Es ist aber viel
sinnvoller, das Grundproblem des Arbeitens gegen die Schwerkraft zu eliminieren,
anstatt die durch das Grundproblem entstehenden Symptome mühsam zu
optimieren. Wobei die Tonfülle bei den meisten SpielerInnen, auch bei geübten, in
der Balancehaltung zunimmt.
II) Zur Balance-Haltung:
Es ist möglich, die Schwerkraft zum Balancieren der Flöte zu benutzen. In dieser
Haltung ist es dann prinzipiell möglich, die Flöte nur noch durch zwei Punkte zu
halten: Durch den Zeigefinger links und den Daumen rechts. (In der tatsächlichen
Spielpraxis kommen dann wie bei der “normalen Flötenhaltung” natürlich weitere
Stützen dazu, durch die Finger und ganz leicht durch die Lippen.)
Alle genannten Nachteile entfallen dann: Die Finger müssen nur noch spielen, nicht
mehr die Flöte halten, die optimale Verbindung Lippen zu Mundloch wird spontaner
und leichter gefunden, dadurch klingt die Flöte voller, fülliger, generell angenehmer.
Das Cis stimmt meist besser.
Die Umsetzung dieser Haltung:
Lege die Flöte auf Deine beiden waagerecht ausgestreckten Zeigefinger, die
ungefähr an dem Stelle der Flöte sein sollen, wo sie sonst beim Spielen auch sind.
Die Flöte sollte nun hin und her rollen können. Balanciere nun die Flöte so, daß die
beiden Längsstangen oben sind, aber nicht ganz in der Mitte liegen, sondern leicht
zu Dir hin versetzt sind. Die Flöte kann in dieser Lage stabil liegen und wird durch
die Schwerkraft gehalten. Sie hat also kaum noch Neigung, nach links oder rechts zu
rollen.
In dieser Gleichgewichtslage wird die Flöte auch im Spiel gehalten. Wichtig dabei:
Das Verhältnis des Mundlochs zu den Lippen, dein Ansatz bleibt prinzipiell gleich!
Nur das Mittelstück und Fuß werden relativ weit ausgedreht. Die Klappen kommen
dadurch also weiter außen zu liegen, weg von dir, die Längsstangen stehen mehr in
der Höhe. Nur dein Ansatz am Mundloch sollte so wie vorher sein.
Als Anhaltspunkt der richtigen Ausdrehung des Mittelstücks zum Kopfstück nutze die
längere der beiden Längstangen (die, die näher zu Dir liegt): Ihre gedachte
Verlängerung bildet den Beginn des Mundloches (von Dir, dem Spieler aus gesehen).
Um dies gut wahrnehmen zu können, betrachte die Flöte vom Flötenfuß in Richtung
des Mundstücks, so daß du die gedachte Verlängerung der längeren der beiden
Längsstange gut auf das Mundstück projezieren kannst.
In der neuen Haltung sinkt der linke Arm nach unten, der rechte greift etwas mehr
von oben ("Kirschen aus Nachbars Garten"). Der Zeigefinger links stützt die Flöte
mehr von unten, drückt weniger von der Seite (falls er das nicht sowieso schon bei
Dir macht.)
Jede Umstellung braucht etwas Zeit, und das Neue ist ungewohnt. Die Umstellung
funktioniert nach meiner Erfahrung (je nach Spieler) aber innerhalb weniger
Augenblicke bis zu ein paar Spielstunden. Die Belohnung ist ein schönerer Ton und
ein wesentlich freieres Fingerspiel. Schwierigkeiten im Ton ergeben sich nur dann,
wenn Du (von Deiner alten Haltung ausgehend) das Mundloch zu sehr eindrehst.
Manchmal erscheint SpielerInnen diese Haltung so ungewohnt, daß sie diese neue
Haltung erstmal ablehnen. Gleichzeitig möchten sie die Vorteile aber nützen, drehen
also das Mittelstück der Flöte schon etwas aus. Nach einiger Zeit merken sie, das es
tatsächlich noch besser funktioniert, wenn sie das Mittelstück noch etwas weiter
ausdrehen usw., bis sie dann irgendwann bei der Balancehaltung angelangt sind.
Sinnvoller ist es, eine vollständige Änderung mit einem Schlag vorzunehmen. Die
Umstellung braucht dann unterm Strich nur einen Bruchteil der Zeit. Hat man sich an
die neue Haltung gewöhnt, wird sie als natürlicher empfunden.
Wenn Du nach einigen Wochen eine bestimmte Routine mit dieser Haltung hast,
kannst Du eine Feinabstimmung durchführen: Die Haltung ist dann korrekt, wenn Du
im Spiel beim Cis in der zweiten Oktave auch noch den kl. Finger hochheben kannst,
so daß alle Finger oben sind. Spiele also z.B. die Töne A, H, Cis und halte nun das
Cis aus. Hebe nun als letzten Finger auch noch den kleinen Finger rechts. Wenn das
Cis in Klang und Intonation gleichbleibt und auch die Flöte unverändert stabil
bleibt, dann stimmt die Haltung vollständig. Du kannst also jetzt den kleinen Finger
heben und senken, der Klang und die Stabilität der Flöte bleiben gleich. Achte auch
darauf, daß der Zeigefinger links die Flöte nur so minimal an die Lippen setzt, daß
ein weicher, leichter Kontakt zwischen den Lippen und dem Mundstück gegeben ist.
Falls bei diesem Hochheben des kl. Fingers die Flöte anfängt, zu rollen, oder falls
Du zum Halten die Flöte verstärkt (mit dem Zeigedinger links) gegen die Lippen
drücken musst, dann ist die Haltung noch nicht ganz perfekt. In diesem Fall musst Du
die Ausdrehung des Mittelstücks noch korrigieren, und zwar in die Gegenrichtung des
Rollens.
Diese Feinabstimmung braucht aber wie gesagt Zeit. Die beschriebenen Vorteile
beginnen auch schon dann zu greifen, wenn Du Deine Haltung in Richtung dieser
Idealhaltung veränderst.
Viel Spaß und Erfolg mit der neuen Haltung
Werner
Die Balance Haltung der Querflöte